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22.03.2018

Studierender entwickelt Auditmethode für LANG & MENKE

Mit 250 Mitarbeitern produziert das Familienunternehmen LANG & MENKE an drei Standorten in Hemer Präzisionsstanzteile für die Automobil-, Elektro- und Haushaltsgeräteindustrie. Um seine Qualitätsstandards weiter auszubauen, hat das Unternehmen ein so genanntes „LPA (Layered Process Audit) System“ eingeführt. LPA ist ein spezielles Audit, das aus dem Automobilbereich stammt und im Rahmen eines Qualitätsmanagementsystems zur Anwendung kommt. Es soll die Umsetzung und Einhaltung von Prozessstandards in Organisationen durch alle Unternehmensebenen hindurch verbessern. Die Beteiligten erkennen durch die Auditmethode, ob Prozessabläufe wie vereinbart ausgeführt werden und sie geeignet sind, um die gewünschten Ziele zu erreichen.

Entwickelt und umgesetzt wurde das System für LANG & MENKE durch einen Maschinenbau-Studenten der Fachhochschule Südwestfalen. Paul Zeisler aus Iserlohn hat seine Bachelorarbeit zum Thema „Entwicklung und Einführung eines LPA (Layered Process Audit) Systems“ bei LANG & MENKE geschrieben. Der 25-Jährige absolvierte zuvor ein Praxissemester im Unternehmen. „Bei LANG & MENKE habe ich einen vertieften Einblick in die betrieblichen Abläufe bekommen“, sagt der aus Kasachstan stammende junge Mann, „Ich konnte meine theoretischen Grundlagen gut einbringen.“ Er ist überzeugt, dass eine praxisbezogene Abschlussarbeit viele Vorteile schafft.

Die Arbeit wurde von Prof. Dr.-Ing. Klaus-Michael Mende betreut, der das Lehrgebiet Industrial Engineering an der FH SWF vertritt. Er sieht viele positive Aspekte durch eine Zusammenarbeit der Unternehmen mit angehenden Ingenieuren: „Alle Beteiligten profitieren gleichermaßen durch diese Zusammenarbeit. Die jungen Absolventen sammeln wichtige betriebliche Erfahrungen und Unternehmen profitieren von dem Wissenstransfer im Rahmen der Abschlussarbeit.“

Grundlage des entwickelten Audits für LANG & MENKE war eine individuell entwickelte LPA-Checkliste mit erstellten Fragen und festgelegten Prüfpunkten. „Die Fragen für die Checkliste entstanden teilweise aus Vorgaben, die für den Fertigungsprozess wichtig sind. Das sind zum Beispiel Prozess- und Funktionsbeschreibungen oder Verfahrens- und Arbeitsanweisungen. Wir können Fragen selbst entwickeln. Aber auch Erfahrungen von Mitarbeitern und Führungskräften oder Kundenanforderungen sind oft Grundlage. Es gibt keine externen Auditoren und die Methode ist mit relativ geringem Aufwand verbunden. Sie führt zu mehr Prozessverständnis, einem höheren Bewusstsein für Prozessvorgaben und zur lösungsorientierteren Kommunikation bei den Mitarbeitern“, erklärt der Maschinenbau-Student. Daimler-Chrysler und Toyota entwickelten die Methode von LPA zeitgleich. In den USA wird LPA bereits von den Lieferanten einiger großer Automobilhersteller verstärkt gefordert.

Als erstes wurde das System in der Stanz-Biege-Abteilung, quasi als Pilotbereich, eingeführt. Hier arbeiten Mitarbeiter an unterschiedlichen Biege- und Stanzmaschinen. Wenn Vorgaben der Checklisten nicht umgesetzt wurden, führten die Mitarbeiter Korrekturen durch. Einige der Fragen waren beispielsweise, ob der Arbeitsprozess oder relevante Vorschriften durchgängig eingehalten wurden. Dank der Fragebögen und Checklisten können Mängel schnell aufgedeckt und gezielt behoben werden. So wurden unter anderem Abweichungen am Arbeitsablauf oder defekte Zuführ- oder Transportbändern in der Produktion erkannt.

Das System stieß zunächst bei den Mitarbeitern auf Skepsis, da sie sich kontrolliert fühlten. „Nach entsprechenden Schulungen und ein wenig Überzeugungsarbeit haben sie aber festgestellt, dass es um den Prozess und Transparenz geht“, sagt Paul Zeisler. Inzwischen kommt das System in drei weiteren Abteilungen bei LANG & MENKE erfolgreich zum Einsatz.

Und wie geht es weiter für Paul Zeisler? Er wird ab kommendem Sommersemester seinen Master in Maschinenbau an der Universität Siegen beginnen.