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11.10.2017

Optimierung der Lagerhaltung

Seit 1974 besteht die Ennepetaler Schneid- und Mähtechnik GmbH u. Co. KG (ESM). Als Maschinenbauunternehmen fertigt und vertreibt ESM Systemlösungen für die Aufgabenfelder: „Schneiden“, „Mähen“ und „Ernten“. Dabei werden oszillierende, sich gegeneinander bewegende Schneidmesser, inkl. zugehöriger Antriebssysteme und –kompo­nenten eingesetzt. Mit einer Exportquote von über 60 Prozent beliefert ESM Partner in rund 40 Ländern weltweit. „Unsere Kunden haben eine Vielzahl unterschiedlichster Ansprüche“, weiß Geschäftsführer Karl-Richard Strohn: „Von der Anwendung mittels Arbeitspferden bei den Amish in den USA, über diverse Sonderschneid- und Erntetechniklösungen, über und unter Wasser, bis hin zu High-Tech Mähkombinationen für den hochalpinen Einsatz reicht das Produktportfolio, das ESM vor Ort entwickelt, fertigt und global vertreibt“. Rund 50 Mitarbeiter stehen für den Geschäftserfolg des Nischenanbieters, der zahlreiche Patente hält und mittels enger Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen Innovationen vorantreibt.

In diesem Zusammenhang bekam auch der 31-jährige Maschinenbau-Student Jan Ochterbeck von der Fachhochschule Südwestfalen, die Gelegenheit seine Bachelor-Arbeit zum Thema „Optimierung der Ein- u. Auslagerungsprozesse und Einführung einer mobilen, digitalen Datenerfassung“ bei ESM zu erstellen. Zuvor hatte der Lüdenscheider ein Praxissemester im Unternehmen absolviert. „Meine Aufgabe bestand darin, die mittels Software gesteuerte Lagerverwaltung von Papier auf eine mobile, digitale Datenerfassung umzustellen. Gleichzeitig habe ich das Lagerkataster optimiert“, berichtet Ochterbeck, „Man bekommt als Student wertvolle Eindrücke, wenn man seine Abschlussarbeit praxisbezogen in einem Industriebetrieb schreibt. Ich konnte sehr eigenständig arbeiten und meine Ideen umsetzen, das hat mir besonders gefallen.“ Diesen Praxisbezug lobt auch Prof. Dr.-Ing. Klaus-Michael Mende von der FH SWF, der die Arbeit betreute. Regelmäßig gelingt es, junge Leute und heimische Unternehmen im Rahmen von Abschlussarbeiten zusammenzubringen: „Von dieser Kooperation profitieren Wirtschaft, Hochschule und Studierende im gleichen Maße“, so Mende, der diese Kooperationen begleitet.

Zu Beginn der Bachelor-Thesis von Ochterbeck erfolgte eine Analyse von Materialbewegungen, der so genannten Kommissionierung. Die Ein- und Auslagerungsprozesse durch die Mitarbeiter waren auf Papier gedruckt. Es gab bis zu fünf Meter lange Listen. Ein erheblicher Aufwand, denn das Lager umfasst mehr als 8.500 Stellplätze. Es gilt 100.000 Lagerbewegungen pro Jahr bei steigender Tendenz zu steuern und zu verwalten. Die Buchungen erfolgten systembedingt zeitversetzt. „Die Lagerplätze hatten keine durchgängig einheitliche Bezeichnung mehr und Mitarbeiter wählten u. a. die Entnahmereihenfolge von Teilen aus dem Lager selbst“, erzählt Jan Ochterbeck.

Ochterbeck entwickelte zunächst ein strategisches Konzept. Das beinhaltete systematische Lagerplatzbezeichnungen aus Buchstaben und Ziffern. Alle Lagerbereiche wurden farblich unterschiedlich gekennzeichnet. Sämtliche Lagerplätze erhielten mittels Barcode eine eindeutige Benennung. Wege wurden optimiert und mittels programmierter Rechenformeln in die Lagerverwaltungssoftware integriert. Anstelle von Papier kommen nun WLAN-basierte, mobile Datenerfassungsgeräte zum Einsatz. Diese melden die Ein- und Auslagerungsprozesse in Echtzeit zurück. Ochterbeck erklärt die enormen Vorteile der Umstellung: „Die Mitarbeiter wissen jetzt genau, wo welche Teile lagern und in welcher Reihenfolge diese zu entnehmen sind. So führen 30 bis 60 Prozent kürzere Wege und verringerte Entnahmezeiten zu deutlicher Kostenersparnis und schaffen mehr Transparenz im Lager. Mittels mobiler Datenerfassung wissen wir in Echtzeit, wo welcher Teilebestand gerade liegt.“ So gelingt es, noch schneller und flexibler auf Auftragsspitzen zu reagieren, die aufgrund saisonaler Schwankungen immer eine Herausforderung darstellen.

Jan Ochterbeck hat vor seinem Studium eine Ausbildung zum Industriemechaniker abgeschlossen und anschließend sein Abitur gemacht. Nach seiner erfolgreichen Abschlussarbeit freut sich Jan Ochterbeck, dass er bei ESM als Projektingenieur übernommen wird und eine Reihe weiterer Projekte bearbeiten darf. Wenn er sich nicht mit optimalen Ein- und Auslagerungsprozessen beschäftigt, wandert er gerne durch die Natur.