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28.06.2017

Dr. Antonia Rados zu Gast beim Märkischen Arbeitgeberverband

Sie glaubt nicht, dass unübersichtliche politische Lagen in den genannten Regionen auf Dauer zunehmen werden. Ruhig und souverän sprach Rados über die „neue Unordnung“, wie sie sie nannte, und führte die Zuhörer in der Geschichte des Nahen Ostens bis ins Mittelalter und zur Aufteilung der Gebiete unter britischer und französischer Herrschaft zurück. In den vergangenen Jahren stürzten dann in Nahost und Nordafrika viele Diktatoren. „Als sie an der Macht waren, haben wir alle geglaubt, das ist eine stabile Ordnung“, stellte Rados fest. Niemand habe gemerkt, was sich wirklich abgespielt habe. Erst im arabischen Frühling habe man die Jugend wahrgenommen.

Sie zeichnete dabei das Bild einer jungen Bevölkerung in der arabischen Welt, die – oft nur schlecht ausgebildet und vielfach arbeitslos – ihr Recht und ihre Zukunftschancen sucht. Die Folge: Der Westen wurde im Chaos des Nahen Ostens immer unbeliebter, besonders der Zusammenbruch der amerikanischen Weltordnung sei dafür  verantwortlich, dass viele antiwestliche Bündnisse entstanden. Zum Abschluss ihres Vortrags ging die Referentin noch auf die Rolle der Türkei und des Iran ein. Diese Staaten, die völlig unterschiedliche Interessen hätten, würden künftig den Weg der arabischen Welt beeinflussen. Allerdings sei nicht vorauszusehen, wohin die Reise im Nahen Osten gehe.

Nachdenkliche Worte waren zuvor schon vom Vorsitzenden des Märkischen Arbeitgeberverbandes, Horst-Werner Maier-Hunke gekommen. Er beleuchtete in seiner Begrüßungsansprache die Auswirkungen der chaotischen Verhältnisse in den östlichen Krisenregionen auf Deutschland. Im Jahr 2015 seien 900.000 Flüchtlinge und Asylbewerber zu uns gekommen. Dieser Zustrom habe sich zwar im  letzten Jahr auf rd. 300.000 verringert, versiegt sei er allerdings bei weitem nicht.

Für Maier-Hunke bleibt deshalb die Eingliederung dieser Menschen in die deutsche Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt auf Dauer die größte gesamtgesellschaftliche Herausforderung seit der Wiedervereinigung.

Die Unternehmen im Verbandsgebiet des MAV würden ihr Möglichstes dazu tun. Sie sind bereit, ihre Werkstore zu öffnen, sei es für Praktika, Einstiegsqualifizierungen, Berufsausbildungen oder reguläre Beschäftigung. Andererseits sind viele Flüchtlinge nur gering qualifiziert und müssen erst einmal Deutsch lernen.

Vor diesem Hintergrund habe der Verband seit dem Frühjahr 2016 drei erfolgreiche Integrationsprojekte für geflüchtete junge Menschen in den Arbeitsmarkt der heimischen Metall- und Elektro-Industrie aufgelegt. Die Maßnahmen bestünden aus den Modulen „Berufsbezogener Sprachunterricht“, „Technische  Grundausbildung in Metall“ und „Betriebliche Erprobung in einem dreimonatigen Praktikum. Die Bilanz könne sich sehen lassen. Insgesamt sei 20 jungen Leuten von den Firmen nach dem Praktikum ein Übernahmeangebot gemacht worden.