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18.04.2017

René Brune optimierte Echtermann-Drehgelenk

Das 1887 gegründete Iserlohner Unternehmen Gebr. Echtermann GmbH & Co. KG gehört in Europa seit Jahrzehnten zu den führenden Herstellern von Spezialarmaturen - sowohl für Gewerbeküchen von namhaften Herstellern als auch für Spülarmaturen für den Getränkeausschank. Über 60 Mitarbeiter fertigen diese Pre­miumprodukte mit höchsten Anforderungen an Funktionalität, Haltbarkeit und Ergonomie. Die Produkte kommen nicht in Privathaushalten sondern in Großküchen und Gastronomieketten zum Einsatz. Das mit­telständische Unternehmen Echtermann beliefert seine Kunden weltweit.

Doch auch die Wettbewerber schlafen nicht in diesem Markt. So gibt es mittlerweile innerhalb Europas und insbesondere in Asien Firmen, die aufholen und ebenfalls gute Produkte sehr günstig verkaufen oder versuchen Echtermann-Armaturen zu kopieren. Eines der wichtigsten Produkte Echtermanns sind Deckel­drehgelenke für Kochkessel. Diese Kessel werden in Mensen und industriellen Großküchen eingesetzt und können einen Deckeldurchmesser von weit über einem Meter haben. Deckel für diese riesigen Kochkessel sind sehr schwer und werden an dem Deckeldrehgelenk befestigt. „Wir fertigen über 20 Drehgelenkstypen mit über 150.000 unterschiedlichen Varianten für Kochkessel. Die Deckeldrehgelenke besitzen eine Tragkraft zwischen 10 und 100 Kilo­gramm“, sagt Geschäftsführer Matthias Cleffmann. Gerade deshalb und auf Grund des Einsatzes im Lebensmittelbereich werden hier besondere Anforderungen an Hygiene, die technische Umsetzung und Sicherheit gestellt.

Um auch langfristig die marktführende Position auszubauen, entschloss sich Echtermann seine Produkte genauer unter die Lupe zu nehmen. Durch eine Aus­schreibung am Lehrgebiet für Industrial Engineering an der Fachhochschule Südwestfalen bot sich eine ideale Gelegenheit, mithilfe einer Bachelor-Arbeit diesem Thema tiefer auf den Grund zu gehen. In einem Vorstellungsgespräch bei Echtermann fiel die Wahl auf den 34-jährigen René Brune aus Iserlohn. Der Studierende der Produktentwicklung und Konstruktion absolvierte vorab ein Praxissemester in dem Unternehmen. In seiner anschließenden Bachelor-Arbeit untersuchte Brune mittels einer Wertanalyse Deckeldrehgelenke und ent­wickelte konstruktive Lösungen für die Weiterentwicklung.

Hierbei wurden Kunden, Anwender und Hersteller von Großküchen zu den Produkten befragt und deren Wünsche aufgenommen. Auch eine Wettbewerbsanalyse deckte Verbesserungsmöglichkeiten des Produktes auf. Brune wertete Analysen und Um­fragen aus und entwickelte auf dieser Grundlage neue Lösungskonzepte für das Produkt. Zu den Verbesserungen zählte beispielsweise eine ausgeklügelte Öffnungsunterstützung, da ein Kesseldeckel schnell 100 kg wiegen kann. Bei einem Winkel von 10 Grad fällt der Deckel gemäß Norm automatisch zu. Die Federung der Drehgelenke wurde hierzu verbessert und alternative Halterungsmechanismen ausgewählt, die leichter und sicherer zu bedienen sind. „Wir mussten dabei sehr auf die Werkstoffauswahl achten. Es gelten sehr strenge Hygienevorschriften im Küchenbereich“, sagt Brune. So wurde zum Beispiel Messing durch Edelstahl ersetzt, da dieser höhere Hygienestandards erfüllt. „Generell werden die Anforderungen an die Tragkraft der größer werdenden Deckel immer höher“, erklärt Brune. „Wir haben als Basis das bewährte Wirkprinzip gewählt und mit neuen Funktionen ausgestattet, so kann Echtermann einen Mehrwert für seine Kunden bieten“, betont Geschäfts­führer Cleffmann.

Prof. Dr.-Ing. Klaus-Michael Mende von der Fachhochschule Südwestfalen betreute die Bachelor-Thesis im Unternehmen. „Es ist eine Win-win-Sitation für uns und natürlich auch für den Kandidaten“, bestätigt Cleffmann. René Brune ergänzt: „Besonders die Vielfältigkeit der Aufgaben und die Möglichkeiten in einem mittelständischen Unternehmen haben mich begeistert, meine Arbeit praxisbezogen zu schreiben!“

Ursprünglich hatte Brune nach seinem Realschulabschluss 1999 eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert. Danach arbeitete der aus Olpe stammende junge Mann zehn Jahre in seinem Beruf bei einem Hemeraner Unternehmen in der Konstruktion. 2013 traf er dann die Entscheidung zum Studium: „Ich wollte gerne auf einem höheren fachlichen Niveau arbeiten und da war das Studium die beste Option.“ Dank seiner Berufserfahrung war das Studieren ohne Abitur möglich. „Die Grundlagen in Mathe und Physik waren anfangs eine wirkliche Herausforderung“, erzählt René Brune, „Aber mit dem richtigen Engagement schafft man es.“ Neben dem Studium arbeitete er als studentische Hilfskraft an der FH SWF. Der Vater einer Tochter ist überglücklich, dass er nach seinem erfolgreichen Abschluss nun bei Echtermann als Entwicklungsingenieur mit toller Berufsperspektive einsteigen kann. Als Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit betreibt Brune Leichtathletik und ist als Trainer im Jugendbereich tätig.